Smart TV und Datenschutz: So schaltest du Tracking und ACR ab

Ein Smart TV ist ein vernetzter Computer im Wohnzimmer. Viele Hersteller finanzieren ihre Geräte zunehmend über Werbung und Daten. Dazu gehört das Wissen darüber, was du schaust. Das ist nicht verboten, wenn du zustimmst, aber du musst nicht zustimmen. Mit ein paar Einstellungen behältst du die Kontrolle, ohne auf Komfort zu verzichten.
Was ein Smart TV über dich erfahren kann
- Was du schaust: über die Inhaltserkennung, auch bei angeschlossenen Geräten wie Receivern und Konsolen.
- Welche Apps du nutzt: wann, wie lange und wie oft.
- Was du sagst: wenn du die Sprachsteuerung nutzt, werden Befehle zur Auswertung übertragen.
- Technische Daten: Gerätekennung, IP-Adresse, Fehlerberichte und Nutzungsstatistiken.
- Was dich interessiert: über eine Werbe-ID, mit der dir passende Anzeigen ausgespielt werden.
Inhaltserkennung (ACR) abschalten
ACR steht für Automatic Content Recognition. Der Fernseher erstellt in kurzen Abständen eine Art Fingerabdruck vom Bildinhalt und gleicht ihn mit einer Datenbank ab. So weiß der Hersteller oder ein Partner, welche Sendung, welcher Film oder welche Werbung gerade läuft, unabhängig davon, ob das Bild von einer App, vom Receiver oder von der Konsole kommt. Die Daten dienen zur Messung von Reichweiten und für personalisierte Werbung.
In der EU darf ACR nur mit deiner Einwilligung laufen. Häufig wird diese Einwilligung aber bei der Ersteinrichtung abgefragt, wenn viele einfach auf Zustimmen tippen. Du kannst sie jederzeit widerrufen. So heißen die Funktionen bei den großen Herstellern:
| Hersteller | Bezeichnung der Funktion | Zu finden unter |
|---|---|---|
| LG | Live Plus | Einstellungen, Allgemein, System |
| Samsung | Viewing Information Services | Datenschutzoptionen in den Bedingungen und Datenschutzeinstellungen |
| Google TV (Sony, TCL und andere) | je nach Hersteller, häufig über Samba TV oder eigene Dienste | Einstellungen, Datenschutz und Nutzungsbedingungen |
| Andere Hersteller | Zuschauerinformationen, Inhaltserkennung, Viewing Information | Datenschutz oder Nutzungsbedingungen |
Menüpfade ändern sich mit Software-Updates. Im Zweifel hilft die Suche in den Einstellungen.
Personalisierte Werbung einschränken
Fast alle Systeme zeigen auf der Startseite Werbeflächen. Ganz abschalten lassen sie sich meist nicht, du kannst aber verhindern, dass sie auf dich zugeschnitten werden. Suche in den Datenschutz-Einstellungen nach Begriffen wie Interessenbezogene Werbung, Personalisierte Anzeigen oder Werbe-ID. Bei Google TV findest du die Option unter Datenschutz und Anzeigen, dort lässt sich die Werbe-ID auch zurücksetzen. Bei Samsung, LG und anderen Herstellern steckt sie in den Datenschutz- oder Werbeeinstellungen.
HbbTV: der rote Knopf
Viele Sender in Deutschland nutzen HbbTV. Das ist die Technik hinter dem roten Knopf auf der Fernbedienung, mit dem du Mediatheken, Videotext in Farbe oder Zusatzinfos öffnest. HbbTV kann aber auch Nutzungsdaten an die Sender übertragen, sobald du einen Kanal einschaltest, teils ohne dass du den roten Knopf drückst. Abhilfe schaffen drei Einstellungen, die die meisten Fernseher bieten:
- HbbTV für einzelne Sender oder ganz abschalten, wenn du es nicht nutzt
- die Option Nicht verfolgen oder Do not track aktivieren
- gespeicherte Cookies und Daten von HbbTV-Diensten regelmäßig löschen
Sprachsteuerung und Mikrofon
Viele Fernbedienungen haben ein Mikrofon, manche Fernseher sogar eines im Gehäuse, das auf ein Aktivierungswort hört. Bei Fernbedienungen wird nur aufgenommen, solange du die Mikrofontaste drückst. Ein Mikrofon im Gerät lässt sich bei den meisten Modellen über einen Schalter oder in den Einstellungen deaktivieren. Prüfe außerdem in deinem Konto beim Anbieter des Sprachassistenten, ob Aufnahmen gespeichert werden, und lösche sie bei Bedarf.
Nutzungs- und Diagnosedaten
Fehlerberichte und Nutzungsstatistiken helfen den Herstellern, ihre Software zu verbessern. Sie sind aber freiwillig. In den Einstellungen findest du sie unter Begriffen wie Nutzungs- und Diagnosedaten, Verbesserungsprogramm oder Datenschutz. Sicherheitsupdates bekommst du auch ohne diese Freigabe, und die solltest du unbedingt automatisch installieren lassen.
Zusätzlicher Schutz im Netzwerk
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, bindet den Fernseher in ein Gastnetzwerk des Routers ein. Dann hat er keinen Zugriff auf Computer und Datenspeicher im Heimnetz. Einige Router erlauben außerdem, bestimmten Geräten den Internetzugang zeitlich oder ganz zu sperren. Ganz ohne Internet verliert ein Smart TV allerdings Apps und Updates.
Die wichtigsten Einstellungen in der Übersicht
- Inhaltserkennung abschaltenDie wichtigste Einstellung, sie betrifft auch angeschlossene Geräte.
- Personalisierte Werbung deaktivierenund die Werbe-ID zurücksetzen.
- HbbTV-Tracking einschränkenmit Nicht verfolgen und regelmäßigem Löschen der Daten.
- Diagnosedaten nicht teilenSicherheitsupdates bleiben trotzdem aktiv.
- Mikrofon prüfenund gespeicherte Sprachaufnahmen bei Bedarf löschen.
Häufige Fragen
Spioniert mich mein Fernseher aus?
Ein Smart TV kann erfassen, was du schaust, aber nur mit deiner Einwilligung. Wer bei der Einrichtung allem zugestimmt hat, kann die Einwilligungen in den Einstellungen widerrufen. Danach bleiben vor allem technisch nötige Daten wie Update-Abfragen übrig.
Funktionieren Apps noch, wenn ich ACR abschalte?
Ja. Netflix, YouTube und alle anderen Apps laufen weiter. Du verzichtest höchstens auf Empfehlungen, die auf deinem Fernsehverhalten beruhen.
Hat mein Fernseher eine Kamera?
Die meisten aktuellen Fernseher haben keine eingebaute Kamera. Einige Modelle lassen sich mit einer Kamera für Videoanrufe nachrüsten. Diese kannst du abstecken, wenn du sie nicht nutzt.